Die Unternehmensnachfolge in Deutschland steht vor bedeutenden Veränderungen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Unternehmen zur Übergabe anstehen, welche Branchen betroffen sind und welche regionalen Unterschiede bestehen. Zudem werden wir Nachfolgelösungen in Familienunternehmen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen näher beleuchten.

Überblick über die Unternehmensnachfolgen in Deutschland

Der Begriff ‚Unternehmensnachfolge‘ bezieht sich auf den Prozess, bei dem die Leitung und das Eigentum eines Unternehmens von einer Person oder Personengruppe auf eine andere übertragen wird. Insbesondere in Deutschland steht in den Jahren 2026 bis 2030 eine erhebliche Anzahl von Unternehmensübergaben an. Laut der aktuellen Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn werden in diesem Zeitraum rund 186.000 Unternehmen zur Übergabe bereitstehen. Diese Zahl zeigt eine Stagnation im Vergleich zum vorherigen Schätzzeitraum, obwohl die Altersstruktur der Unternehmensinhaberinnen und -inhaber eine Zunahme der Nachfolgen zu erwarten scheint. Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen hat sich jedoch verschlechtert, was potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger davon abhält, in eine Übernahme zu investieren.

Besonders betroffen sind Unternehmen aus den Bereichen der unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie dem Produzierenden Gewerbe, gefolgt vom Handel. Im Hinblick auf die Unternehmensgrößen, die zur Übergabe anstehen, bilden Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 1 Million Euro die größte Gruppe. Kleinere Unternehmen, wie solche mit niedrigeren Umsätzen, sind oftmals nicht attraktiv genug, um als übernahmewürdig zu gelten.

In Bezug auf die Branchenstruktur sind das Produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft überdurchschnittlich stark im Nachfolgegeschehen vertreten. Diese Sektoren zeigen häufig eine höhere Anzahl an Unternehmen, die aufgrund von Altersgründen in die Nachfolgeüberlegung eintreten. Zum Beispiel könnten traditionelle Familienbetriebe in der Landwirtschaft, die über Generationen hinweg in Familienbesitz waren, jetzt einen Wechsel zu einer jüngeren Generation oder einer externen Führungsperson anstreben.

Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass das Unternehmensnachfolgegeschehen in Deutschland nicht allein quantitativ, sondern auch qualitativ beeinflusst wird. Der Trend hin zu weniger familieninternen Nachfolgen zugunsten von externen Lösungen ist klar erkennbar. Dies zeigt, dass zahlreiche Unternehmen auf der Suche nach neuen Führungspersönlichkeiten sind und sich somit auch die die Art der Nachfolgelösungen wandelt. Die Herausforderungen, die mit der Unternehmensnachfolge verbunden sind, erfordern ein Umdenken sowohl von den aktuellen Inhabern als auch von potenziellen Nachfolgern, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Übertragungen sicherzustellen.

Regionale Unterschiede bei Unternehmensnachfolgen

Die regionalen Unterschiede bei den Unternehmensnachfolgen in Deutschland sind erheblich und spiegeln die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die Branchen- und Größenstruktur der Unternehmen wider. Im aktuellen Zeitraum von 2026 bis 2030 verzeichnen insbesondere die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg die meisten Übergaben. Diese Regionen sind wirtschaftlich stark und verfügen über einen heterogenen Unternehmensmix, der sowohl große Unternehmen als auch zahlreiche kleinere Betriebe umfasst.

In Nordrhein-Westfalen, als bevölkerungsreichstem Bundesland, befinden sich viele größere Unternehmen, die häufig die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge erfüllen. Die hohe Dichte an industriellen Betrieben und Dienstleistungsunternehmen begünstigt hierbei die Übergaben, da potenzielle Nachfolger vielseitige Möglichkeiten und Angebote finden. In Bayern und Baden-Württemberg sind ähnliche Muster zu beobachten. Die dort stark vertretenen Branchen wie Maschinenbau, Automobilindustrie und Dienstleistungen erhöhen die Anzahl der verfügbaren Nachfolgen.

Im Vergleich dazu zeigen Bundesländer wie Berlin eine niedrigere Übergabequote. Hier sind die strukturellen Gegebenheiten anders gelagert: Der Unternehmensbestand ist stark auf Dienstleistungssektoren fokussiert, die oft kleinere und jüngere Unternehmen hervorbringen, die potenziell weniger rentabel für eine Übernahme erscheinen. In Berlin fehlen häufig die traditionellen Handwerks- und Produktionsbetriebe, die für eine Nachfolge in der Regel besser geeignet sind.

Zusätzlich zeigen die Übergabequoten in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen höhere Werte im Verhältnis zum Unternehmensbestand. Diese Bundesländer haben eine ausgeglichene Branchenstruktur, die sowohl landwirtschaftliche als auch verarbeitende Industrie umfasst. Der ländlich geprägte Raum in Schleswig-Holstein bietet darüber hinaus Unternehmen, die durch neue Technologien und nachhaltige Ansätze potenziell attraktiv für Nachfolger sind.

Die unterschiedlichen Größenstrukturen der Unternehmen innerhalb der Regionen beeinflussen ebenfalls das Nachfolgegeschehen. Kleinere Unternehmen, die weniger als 500.000 Euro Umsatz generieren, sind oft nicht als übernahmewürdig klassifiziert und fallen somit aus der allgemeinen Diskussion um Unternehmensnachfolgen heraus. In wirtschaftlich starken Regionen hingegen existieren mehr Unternehmen, die den Anforderungen einer potenziellen Übernahme gerecht werden.

Insgesamt verdeutlichen diese regionalen Unterschiede bei Unternehmensnachfolgen, dass das Nachfolgegeschehen stark von der jeweiligen wirtschaftlichen Struktur und den spezifischen Branchenverhältnissen abhängt. Die Erfassung und Analyse dieser Unterschiede ist für potenzielle Nachfolger und Berater essenziell, um geeignete Übernahmeoptionen zu identifizieren und tragfähige Nachfolgemodelle zu entwickeln.

Nachfolgelösungen in Familienunternehmen

Die Nachfolgelösungen in Familienunternehmen spielen eine entscheidende Rolle im Unternehmensnachfolgegeschehen in Deutschland. Bei der Analyse dieser Lösungen werden drei Hauptkategorien unterschieden: familieninterne Nachfolge, unternehmensinterne Nachfolge und externe Nachfolge.

Die familieninterne Nachfolge bezieht sich auf die Übertragung des Unternehmens an ein Familienmitglied, wie beispielsweise einen Sohn oder eine Tochter. Diese Variante hat traditionell in Deutschland eine hohe Bedeutung, da sie sowohl den Erhalt des Unternehmens innerhalb der Familie als auch die Bewahrung von Werten und Traditionen ermöglicht. Die unternehmensinterne Nachfolge hingegen beschreibt die Übergabe des Unternehmens an einen langjährigen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin, die bereits im Betrieb tätig sind und oftmals eine tiefe Kenntnis der Unternehmensabläufe besitzen. Externe Nachfolgen erfolgen, wenn das Unternehmen an jemand außerhalb des bestehenden Unternehmens übergeben wird, was häufig zu neuen Perspektiven und Innovationsimpulsen führen kann.

Laut der aktuellen Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn sind 54 % der Familienunternehmen in Deutschland nach wie vor familienintern übergeben worden, während 17 % an Beschäftigte und 29 % an externe Übernehmende gingen. Diese Verteilung verdeutlicht, dass die familieninterne Nachfolge trotz ihrer überwältigenden Mehrheit in den letzten 15 Jahren einen leichten Rückgang erfahren hat. Eine wachsende Tendenz zeigt sich zugunsten interner und insbesondere externer Lösungen.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Ein Aspekt ist die veränderte Lebensrealität der nachfolgenden Generationen, die häufig eigene Karriereziele verfolgen und nicht zwangsläufig in das Familienunternehmen einsteigen möchten. Dazu kommen wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die potenzielle Übernehmerinnen und Übernehmer verunsichern können. Bei der externen Nachfolge wiederum spielt die Attraktivität der Unternehmen eine entscheidende Rolle. Unternehmen, die eine attraktive Unternehmenskultur, ein starkes Markenimage oder innovative Produkte anbieten, haben bessere Chancen, externe Nachfolger zu gewinnen.

Praktische Beispiele zeigen diese Trends: Einige Familienbetriebe haben dafür strategische Nachfolgepläne entwickelt, die sowohl die interne als auch externe Nachfolge fördern. Diese können Schulungsprogramme für Mitarbeiter umfassen, um etwaige durch Vererbung entstandene Wissenslücken zu schließen oder externer Kandidaten anzusprechen, um diese frühzeitig ins Unternehmen zu integrieren.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Wahl der Nachfolgelösung zunehmend den wirtschaftlichen Gegebenheiten und den individuellen Lebensentscheidungen der potenziellen Nachfolger folgt. Ein klar definierter Nachfolgeprozess, der alle Optionen betrachtet, ist für Unternehmen unerlässlich, um die Übergabe erfolgreich zu gestalten.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen der Unternehmensnachfolge

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielen eine entscheidende Rolle für das Unternehmensnachfolgegeschehen in Deutschland. In den kommenden Jahren wird die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen, die zur Übergabe anstehen, maßgeblich die Attraktivität dieser Betriebe für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger bestimmen. Eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führt häufig dazu, dass Übernahmen als weniger rentabel erscheinen, und dies könnte erklären, warum die Zahl der erwarteten Unternehmensnachfolgen stagniert.

Ein zentraler Faktor ist die finanzielle Stabilität der Unternehmen. Viele potenzielle Nachfolger sind vorrangig an rentablen und zukunftsfähigen Betrieben interessiert. Wenn ein Unternehmen beispielsweise unter hohen Schulden leidet oder nicht in der Lage ist, nachhaltige Erträge zu generieren, wird es für Nachfolger unattraktiv. Auch die Marktposition und Wettbewerbssituation des Unternehmens sind entscheidend; ein Unternehmen in einem schrumpfenden Markt oder mit wenig Differenzierung wird schwerer an einen Nachfolger zu bringen sein.

Zudem wirkt sich das wirtschaftliche Umfeld auf die Verfügbarkeit von Finanzierungsmöglichkeiten aus. Wenn Banken bei der Vergabe von Krediten zurückhaltender sind, kann dies die Bereitschaft von potenziellen Nachfolgern, in ein Unternehmen zu investieren, erheblich beeinträchtigen. Eine unklare wirtschaftliche Perspektive oder politische Unsicherheiten können die Unternehmergeistigkeit ebenfalls dämpfen und dazu führen, dass potenzielle Übernehmer zögern.

Um die Nachfolgewirtschaftlichkeit zu verbessern und die Attraktivität für Nachfolger zu steigern, sind konkrete Handlungsschritte erforderlich. Unternehmen sollten regelmäßig ihre Finanzlage überprüfen und gegebenenfalls Maßnahmen zur Schuldenreduktion ergreifen. Eine klare Positionierung im Markt ist essenziell, sodass Investitionen in Marketing und Branding in Erwägung gezogen werden sollten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Darüber hinaus ist es ratsam, frühzeitig Nachfolgepläne zu schmieden. Dies beinhaltet die Entwicklung einer strategischen Nachfolgestrategie, die die Stärkung interner Ressourcen und die Ausbildung potentieller Nachfolgerinnen und Nachfolger umfasst. Eine transparente Unternehmensbewertung kann ebenso dazu beitragen, das Unternehmen als wertstabile Option darzustellen. Schließlich sollten bestehende Netzwerke genutzt werden, um potenzielle Käufer oder Nachfolger aktiv zu identifizieren und anzusprechen.

Durch diese Maßnahmen können Unternehmen ihre Chancen auf eine erfolgreiche Nachfolge erhöhen und somit einen nachhaltigen Übergang der Unternehmensführung sichern.

Fazit

Zusammenfassend zeigt die Studie die Komplexität der Unternehmensnachfolge. Um aktiv zu werden, sollten Sie frühzeitig eine Nachfolgelösung planen und sich über die wirtschaftlichen Bedingungen Ihres Unternehmens informieren. Ein gezielter Austausch mit potenziellen Nachfolgern kann dabei hilfreich sein.